Satz ID ICIBR1oinvuWg0eqlbl7sOzgQTQ (Variante 2)
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Sꜣw(.t): Meyrat, Papyrus magiques du Ramesseum, 158 liest den Ortsnamen als Assiut, Quack (E-Mail vom 21.03.2022) versteht das letzte Zeichen als Ortsklassifikator und liest damit Sais.
Bei dem „großen Gott, der in ... ist“, wird es sich am wahrscheinlichsten um Upuaut handeln, wenn der Ortsname Assiut zu lesen ist. Bei einer Lesung als Sais muss die Frage offenbleiben, da die Hauptgottheit von Sais die Göttin Neith ist.
ꜥnḫ m sn.w=f: Bei ꜥnḫ: „leben“ wird mit der Präposition m entweder instrumental die Quelle angeschlossen, aus der man seine Lebensenergie schöpft (Nahrung, Wahrheit, etc.), Wb 1, 194.5-8, oder lokal der Ort, an dem man lebt, Wb 1, 194.9. Zwar ist Upuaut ein mitunter sehr gewalttätiger Gott, vor dem selbst die Götter zittern (bspw. Stele Hannover 1976.80b, Zeile B.3-B.5, Munro, in: ZÄS 85, 1960, 64 und im TLA), aber er wird sie kaum gefressen haben – vgl. die Kritik an einer solchen wörtlichen Lesung des in diesem Zusammenhang zu erwähnenden sogenannten „Kannibalenspruchs“ bei Kammerzell, in: LingAeg 7, 2000, spez. 191-192 und 203. Meyrat, Papyrus magiques du Ramesseum, 122 interpretiert die Präposition zwar ebenfalls instrumental, aber eher metonymisch: „vivant grâce à [ses] frères“.
Alternativ wäre es ferner denkbar, dass die sn.w hier im weiteren Sinne lokal aufzufassen wären, als eine Gruppe von Wesenheiten, in deren Mitte Upuaut lebt.
Wer diese sn.w: „Gebrüder“ bzw. männlichen Verwandten der eigenen, vorangegangen und folgenden Generationen, die keine Vorfahren oder Nachkommen sind, erweitert: „Geschwister“ und noch mehr erweitert: „Gleichgestellten“ (s. Franke, Verwandtschaftsbezeichnungen, passim, v.a. 66-68; 163, Fig. 3; 311) des Upuaut sein könnten, ist jedoch bei jeder Übersetzung unklar. Genealogisch betrachtet ist er ein Einzelkind, und auch weitere „familiäre“ Beziehungen sind nicht bekannt. Als weibliches Komplement können ihm Neith oder Hathor von Medjed zur Seite gestellt werden (DuQuesne, Jackal Divinities of Egypt, 395; DuQuesne, in: Fs Assmann, Mythos, spez. 7), aber diese würden kaum als sn.w bezeichnet werden. In Assiut sind auch noch die Götter Medjedu und Wer-Sechemu bekannt (DuQuesne, in: Fs Assmann, Mythos,19-21), deren Verhältnis zu Upuaut unklar ist. Sie kämen u.U. als sn.w in Betracht. Oder sollten damit die v.a. von den sogenannten Salakhana-Stelen bekannten heiligen Tiere des Upuaut gemeint sein? Zu Osiris und Anubis in Assiut s. ferner Magee, Asyût to the End of the Middle Kingdom, Bd. 1, 189-193 und 195-202. Zumindest in Abydos kann aber Upuaut die Rolle des Horus übernehmen, sodass Osiris nicht sein „Bruder“, sondern sein Vater ist. Dagegen wäre Anubis als Sohn von Osiris und Nephthys „biologisch“ betrachtet ein Halbbruder von Horus, wäre also über den abydenischen Link Horus = Upuaut tatsächlich ein „Bruder“ des Upuaut.
jꜥn.w: Wb 1, 41, 11–12 vermutet in jꜥn.w einen Ausdruck für „Kummer“ o.ä., gibt aber für jꜥn.w n=k die Übersetzung „Preis dir!“ (mit Fragezeichen). Gunn, in: JEA 16, 1930, 151 denkt, dass jꜥn.w die Bedeutung „attention, consideration, solicitude“ haben könnte und daher sowohl „a kind of salutation“ sein könne als auch „an expression of anxious sympathy“. Meyrat, Papyrus magiques du Ramesseum, 122 und 158 übersetzt „les cris“ und vermutet in dem gesamten Epitheton einen Bezug auf Anubis als Totengott und Gott der Einbalsamierung. Laut Donnat Beauquier, Écrire à ses morts, 112-114 drückt dieser Begriff, von ihr mit „plainte“ übersetzt, einen „appel à ls clémence, ou du moins à l’écoute, d’un subalterne à un supérieur“ aus.
Persistente ID:
ICIBR1oinvuWg0eqlbl7sOzgQTQ
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Achtung: Aus technischen Gründen können für Satzlesungsvarianten keine individuellen permanenten IDs garantiert werden. Die Zitation erfolgt daher nur über die Basis-Satz-ID inkl. aller Varianten.
Bitte zitieren als:
(Vollzitation)Lutz Popko, unter Mitarbeit von Svenja Damm, Altägyptisches Wörterbuch, Daniel A. Werning, Satz ID ICIBR1oinvuWg0eqlbl7sOzgQTQ <https://thesaurus-linguae-aegyptiae.de/sentence/ICIBR1oinvuWg0eqlbl7sOzgQTQ>, in: Thesaurus Linguae Aegyptiae, Korpus-Ausgabe 19, Web-App-Version 2.2.0, 5.11.2024, hrsg. von Tonio Sebastian Richter & Daniel A. Werning im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und Hans-Werner Fischer-Elfert & Peter Dils im Auftrag der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig (Zugriff am: xx.xx.20xx)(Kurzzitation)
https://thesaurus-linguae-aegyptiae.de/sentence/ICIBR1oinvuWg0eqlbl7sOzgQTQ, in: Thesaurus Linguae Aegyptiae (Zugriff am: xx.xx.20xx)
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