Identifiant d’unité IBYCdBnT7AxYM0qNs8nQQDu6Ofw
Commentaires
-
- wnḫ: Das Substantiv wnḫ ist ein medizinischer Zustand, der in Papyrus Edwin Smith, Fall 31, Glosse A (Kol. 10.17-19: bezüglich eines wnḫ in/an einem Nackenwirbel) und in Fall 43, Glosse A (Kol. 15.3-4: bezüglich eines wnḫ in den Rippen des Brustkorbs) erklärt wird. Die wnḫ-Verletzung kommt auch noch beim Unterkiefer (Fall 25) und beim Schlüsselbein (Fall 34) vor. Sie hängt mit dem Verb wnḫ: "lösen, lockern" zusammen, für das auch die Bedeutung "verschieben" angesetzt wird ("verschieben" in Wb. I, 324.8; MedWb I, 194; dagegen z.B. Brawanski, in: SAK 34, 2006, 48, Anm. 7 [im Zusammenhang mit einer Wundnaht]; für die Existenz des Verbs wnḫ: "lösen" siehe auch Graefe, in: SAK 7, 1979, 53-61). In Fall 31 wird wnḫ als jwd: "trennen" und pḥḏ: "abtrennen, spalten" beschrieben, in Fall 34 und 43 mit nft: "lösen, lockern" (vgl. ntf: "losbinden, ausspannen"), in Fall 11 (Kol. 5.15) ist wnḫ zu fḫ: "lösen" verbessert worden. In diesen Fällen wird jedoch auch gesagt, dass die "Lösung" oder "Trennung" unvollständig ist: die Teile "berühren" (dmi̯) sich noch (Fall 31, Kol. 10.19) bzw. "verbleiben" (mn) noch in der Brust (Fall 43, Kol. 15.4).
Aufgrund der Behandlungsmethode in Fall 25 wird die wnḫ-Verletzung im/am Unterkiefer als eine (vollständige) Luxation des Unterkiefers (Ebbell; eng./franz. dislocation: Breasted, Lefebvre, Allen, Sanchez/Meltzer) oder als eine (unvollständige) Subluxation des Unterkiefers (Bardinet: auch "déboîtement, désajustement") eingestuft, d.h. eine Verrenkung oder Ausrenkung, Auskugelung. Eine wnḫ-Verletzung kann nicht nur am Unterkiefer (Fall 25), sondern auch an einem Halswirbel (Fall 31), am Schlüsselbein (Fall 34) und an den Rippen (Fall 43) auftreten. Sie wird in Wb. I, 324.9-12 als eine "Ausrenkung, Zerrung o.ä." und in MedWb I, 193 als eine "Verschiebung" (im Gegensatz zu einer nrw.t-Zerrung) übersetzt. Ein "Sich-Lösen" eines Wirbels aus der Wirbelsäule impliziert eine Verschiebung aus der Reihe. In Fall 31 ist diese Verschiebung so stark, dass das Rückenmark beschädigt wurde und Lähmungserscheinungen beim Patienten auftreten. Die wnḫ-Verletzung in Fall 31 wird als eine Luxationsfraktur beschrieben (Ebbell, Alt-ägyptische Chirurgie, 51-52: "Luxation eines Halswirbels"; Brawanski, in: SAK 32, 2004, 70-71: "Luxationsfraktur im Halswirbelsäulenbereich"; Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 200-206: "cervical vertebral dislocation with spinal cord injury"). Abweichend spricht Stephan, Altägyptische Medizin, 2011, 128 von einem "Wirbelzusammenbruch". Auch für Fall 43 hat Stephan, Altägyptische Medizin, 2011, 144-145 Schwierigkeiten mit einer Luxation der Rippen, weil das nur unter Extrembedingungen auftreten könnte; Ebbell, Alt-ägyptische Chirurgie, 66 und Sanchez/Meltzer, Edwin Smith Papyrus, 264-265 haben kein Problem mit einer "Sternocostal-costochondral dislocation". Die wnḫ-Verletzung unterscheidet sich von der nrw.t-Verletzung, die ebenfalls an einem Nackenwirbel (Fall 20), an den Rippen (Fall 42) und an einem Rückenwirbel (Fall 48) auftreten kann. Die nrw.t-Verletzung wird in Fall 30, Glosse A (Kol. 10.12) so erklärt, dass zwei Glieder (oder ein Gelenk?) (ꜥ.tj) "aufgerissen, aufgebrochen, auseinandergewichen" (ngi̯) sind, aber jedes bleibt an seinem Platz. Außerdem steht in Fall 42 (Kol. 14.18) bezüglich einer nrw.t der Rippen, dass weder eine "Ablösung/Abtrennung" (wnḫ), noch ein "Bruch" (ḥsb) vorliegt. Deshalb versteht Breasted nrw.t als "a sprain", d.h. "Verstauchung, Distorsion". Die meisten Bearbeiter schließen sich dem an, z.B. MedWb. 467: "Zerrung (als Knochengelenkverletzung)".
Identifiant permanent:
IBYCdBnT7AxYM0qNs8nQQDu6Ofw
URL permanente:
https://thesaurus-linguae-aegyptiae.de/sentence/token/IBYCdBnT7AxYM0qNs8nQQDu6Ofw
Citer en tant que:
(Citation complète)Peter Dils, avec des contributions de AV Wortschatz der ägyptischen Sprache, Lutz Popko, Identifiant d’unité IBYCdBnT7AxYM0qNs8nQQDu6Ofw <https://thesaurus-linguae-aegyptiae.de/sentence/token/IBYCdBnT7AxYM0qNs8nQQDu6Ofw>, dans: Thesaurus Linguae Aegyptiae, Édition du corpus 20, Version de l’application web 2.4.1, 5.3.2026, éd. par Tonio Sebastian Richter et Daniel A. Werning au nom de la Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (Académie des sciences et des lettres de Berlin-Brandebourg) et Hans-Werner Fischer-Elfert et Peter Dils au nom de la Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig (Académie des sciences et des lettres de Saxe, Leipzig) (consulté: xx.xx.20xx)(Citation abrégée)
https://thesaurus-linguae-aegyptiae.de/sentence/token/IBYCdBnT7AxYM0qNs8nQQDu6Ofw, dans: Thesaurus Linguae Aegyptiae (consulté: xx.xx.20xx)
Commenter le contenu de cette page
Merci de contribuer à l’amélioration des données ! Votre commentaire va être envoyé à l’équipe du TLA pour évaluation. Pour plus d’informations, voir notre politique de confidentialité.
Partager cette page
Notez que si vous utilisez les boutons des réseaux sociaux (par exemple X, Facebook), les données seront transmises au service concerné. Pour plus de détails, consultez les politiques de confidentialité des services concernés.
N’hésitez pas à nous signaler toute erreur
Merci de nous aider à améliorer notre publication.
Si vous n’avez pas d’application e-mail installée sur votre appareil, veuillez saisir vous-même un e-mail, en citant l’identifiant / lien du lemme ou de l’unité (ou l’identifiant / lien de la phrase), ainsi que le type d’erreur, à l’adresse suivante : tla-web@bbaw.de.