Satz ID IBcCdwl8ahKTS0xLqBlwvPB4rDI
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Übersetzung unsicher. Das Verb dꜣjr ist transitiv, so dass man entweder annehmen muss, dass das darauf Folgende die Rolle des direkten Objekts einnimmt (so Ebbell, Papyrus Ebers, 117: „they displace (?) their clothes“), oder dass eine Ellipse vorliegt (so Westendorf, Handbuch Medizin, 695: „Wenn sie (...) (die fremden Dinge) niederzwingen“). Die intransitive Übersetzung vom Grundriß der Medizin IV/1, 4 („Wenn sie (...) die Oberhand erhalten“) und die reflexive Übersetzung von Bardinet, Papyrus médicaux, 101 („S’ils (...) se calment“) umgehen diese Problematik. Von diesen Vorschlägen ist derjenige von Ebbell unwahrscheinlich, weil der schlagende Mann hinter ḥbs zeigt, dass das Verb „bekleiden“ und nicht das Substantiv „Kleidung“ vorliegt. Die Vorschläge von Grundriß der Medizin und Bardinet sind mangels sicheren Gegenbeweises, dass dꜣjr gar keine intransitive Bedeutung haben kann, zumindest nicht auszuschließen. Bislang nicht diskutiert wurde die Analyse als Infinitiv, der die Nominalstelle einer jr-Einleitung übernimmt. Dies hätte mehrere Vorteile: Die Objektstelle wäre besetzt, nämlich durch das Suffixpronomen =sn, und dieses würde sich, wie auch sonst in Eb 855h, auf die dḥr.t-Krankheiten beziehen. Ein Gegenargument wäre nur, dass sich spätestens bei ḥbs=sn dḥr.t das Suffixpronomen auf etwas anderes als dḥr.t beziehen muss, so dass sich bei einer Auflösung von dꜣjr=sn als Infinitiv mit Objektspronomen das Pronomen =sn im selben Satz einmal auf dḥr.t und einmal auf mt.w (?) beziehen würde. Ob man erwägen kann, dass es ein Objektspronomen st (mit Bezug auf (j)ḫ.t, wie es Westendorf denkt) oder sn (mit Bezug auf die Krankheit?) nach dꜣjr=sn gegeben hat, das aufgrund einer Haplographie ausgefallen ist?
Der Vollständigkeit halber sei die Möglichkeit erwähnt, dꜣjr passivisch zu übersetzen; dabei müsste man das zweite sn als enklitisches, d.h. Objektspronomen deuten, damit der Satz sinnvoll wird: jr dꜣjr=sn ḥbs sn dḥr.wt pw: „Wenn sie (d.h. dann die Gefäße???) bezwungen werden, bedeutet es, dass die Bitternis-Krankheiten sie bedecken.“ Das ist jedoch auszuschließen, weil auch der folgende Satz den Sieg der Krankheit benennt und man annehmen sollte, dass man sowohl einen guten als auch einen schlechten Krankheitsausgang erwähnt findet und nicht nur zwei schlechte.
Persistente ID:
IBcCdwl8ahKTS0xLqBlwvPB4rDI
Persistente URL:
https://thesaurus-linguae-aegyptiae.de/sentence/IBcCdwl8ahKTS0xLqBlwvPB4rDI
Bitte zitieren als:
(Vollzitation)Lutz Popko, unter Mitarbeit von Florence Langermann, Peter Dils, Altägyptisches Wörterbuch, Daniel A. Werning, Satz ID IBcCdwl8ahKTS0xLqBlwvPB4rDI <https://thesaurus-linguae-aegyptiae.de/sentence/IBcCdwl8ahKTS0xLqBlwvPB4rDI>, in: Thesaurus Linguae Aegyptiae, Korpus-Ausgabe 19, Web-App-Version 2.2.0, 5.11.2024, hrsg. von Tonio Sebastian Richter & Daniel A. Werning im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und Hans-Werner Fischer-Elfert & Peter Dils im Auftrag der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig (Zugriff am: xx.xx.20xx)(Kurzzitation)
https://thesaurus-linguae-aegyptiae.de/sentence/IBcCdwl8ahKTS0xLqBlwvPB4rDI, in: Thesaurus Linguae Aegyptiae (Zugriff am: xx.xx.20xx)
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